Legasthenie/ LRS: eine Übersicht

Pädagogische Definition:
"Ein legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen, dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens". (Dr. Astrid Kopp- Duller, 1995*)

 

 

 

"Sinne sind wesentlich.
Was ich nicht wahrnehme,
existiert nicht für mich!"
  

(Dr. Maria Montessori)

Grundsätzlich spricht man von einer Legasthenie wenn man folgendes beobachten kann:

  • eine zeitweise Unaufmerksamkeit des Kindes im Zusammenhang mit dem Schreiben, Lesen oder Rechnen
  • Sinneswahrnehmungen, die nicht ausreichend für das Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens geschärft sind
  • die durch die Sinneswahrnehmungen und die daraus folgende Unaufmerksamkeit entstehenden Wahrnehmungsfehler


Legasthenie ist eine spezielle Form der Lese-Rechtschreib-Schwäche/LRS, die hauptsächlich auf erbliche Anteile zurückzuführen ist. Durch Entwicklungsprozesse im Gehirn werden die Sinneswahrnehmungen beeinflusst. Im Umgang mit Buchstaben und Zahlen kommt es durch die differente Verarbeitung von Informationen zu Wahrnehmungsfehlern. Wichtig ist, Wahrnehmungsfehler sind keine Rechtschreibfehler!

 

Zum Unterschied beobachtet man bei einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) eine Fehlerhäufigkeit beim Lesen und Schreiben. Es handelt sich hierbei um eine im Laufe des Lebens erworbene Problematik.

 

Die Unterscheidung zwischen einer Legasthenie und einer erworbenen LRS ist deshalb so wichtig, da sich die Interventionen und Förderungen, die in beiden Bereichen stattfinden müssen, unterschiedlich gestalten!


Wird eine Legasthenie nicht oder zu spät erkannt, können sich aus dieser sogenannten Primärlegasthenie, Sekundärproblematiken entwickeln. Diese Sekundärlegasthenie äußert sich in unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten des Kindes.
 
Besondere Beachtung gilt dem Faktum, dass legasthene Menschen nicht nur normal begabt bis überdurchschnittlich begabt sind, sondern ebenfalls im kreativen und technischen Bereich außerordentliches Talent besitzen!

 

Zu beachten gilt:

  • Legasthene Menschen können durch ihre differenten Sinneswahrnehmungen mit herkömmlichen Lehrmethoden alleine das Schreiben, Lesen und Rechnen nicht zufriedenstellend erlernen!
  • Es braucht Geduld, Ausdauer und Verständnis
  • Legasthenie ist keine Störung oder Krankheit
  • Die Intelligenz eines Menschen sagt nichts über eine eventuell vorhandene Legasthenie aus!

Unterschied Legasthenie und LRS

Legasthenie Lese-Rechtschreib-Schwäche/ LRS
Ursachen: genetische Anlage Ursachen: erworben bzw. vorübergehend
  durch

 

z.B: psychische, physische oder familiäre Ursachen, Unterrichtsmethoden, Lerndefizite
  Umschulung der Händigkeit!
   
Äußert sich durch: Äußert sich durch:
zeitweise Unaufmerksamkeit/ Symbole keine/seltene Unaufmerksamkeit
differente Sinneswahrnehmungen keine differenten Sinneswahrnehmungen
Fehler beim Schreiben, Lesen, Rechnen Fehler beim Schreiben, Lesen, Rechnen
   
Verstärkt durch:  
z.B: psychische, physische oder familiäre Ursachen, Unterrichtsmethoden, fehlende Unterstützung, Frustration, Überforderung  
   
mündet in eine Sekundärlegasthenie  

Literaturquelle:

Der legasthene Mensch, Dr. Astrid Kopp-Duller

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Margit Rieger BSc