Händigkeit: eine Übersicht

Die Händigkeit ist Ausdruck einer motorischen Dominanz im menschlichen Gehirn. Das menschliche Gehirn ist in 2 Gehirnhälften/Hemisphären aufgeteilt, in eine rechte und eine linke Gehirnhälfte/ Hemisphäre. Diese sind kontralateral organisiert, d.h. die peripheren Reize auf der einen Körperseite werden von der gegenüberliegenden Hemisphäre verarbeitet und Impulse an die entsprechende Muskulatur gesendet. Die Gehirnhälften werden durch einen Nervenstrang verbunden, den sogenannten Balken (Corpus callosum). Im Gehirn werden die sensorischen Inputs mittels des Corpus callosum integriert und zu einer koordinierten Wahrnehmung, sowie zu koordinierten Verhalten verarbeitet.

 

Zusammengefasst heißt dies:

die dominante rechte Gehirnhälfte hat eine dominante linke Hand = Linkshändigkeit und eine dominante linke Gehirnhälfte, eine dominante rechte Hand = Rechtshändigkeit zur Folge.
 
Das menschliche Gehirn ist nicht nur bezüglich der physiologischen Funktionen in 2 Hemisphären geteilt, sondern es besteht ebenfalls eine Aufteilung in unterschiedliche Aufgabenbereiche und Spezialisationen.
 
D.h. durch die Dominanz einer Gehirnhälfte kommt es zu einem Anlage- und Interessenschwerpunkt, bei den der jeweiligen Gehirnhälfte zugehörigen Fähigkeiten & Eigenschaften.

 

http://www.kindergesundheitstraining.at/bilder/abbildung-das-linkshaendige-kind.jpg

 

 

Die Praxis zeigt, dass, gerade weil die Händigkeit des gesunden Menschen durch genetische Vorgänge für sein ganzes Leben festgelegt ist, jeder Versuch, sie nachträglich zu ändern, meist in schwere Schädigungen des Betroffenen mündet.

 

Eine Umschulung stört die natürlichen Gehirnablaufprozesse und zwingt somit den Menschen permanent mehr Kraft, Energie und Anstrengungen für eine Leistung aufzubringen, als nicht betroffene Links- oder RechtshänderInnen. Es kommt zu einer Überlastung der nicht-dominanten Hemisphäre und zu Übertragungsschwierigkeiten im Corpus callosum. Dadurch kommt es zu einer Hemmung der dominanten Hemisphäre und somit zu einer Unterdrückung der persönlichen Stärken und der Ganzheitlichkeit.

 

Viele Statistiken gehen von einem Linkshänderanteil in der Bevölkerung von 20-30 % aus.

Viele Genetiker schätzen allerdings den tatsächlichen Bevölkerungsanteil der LinkshänderInnen auf etwa 50 %, d.h. dass die übrigen LinkshänderInnen möglicherweise umgeschult wurden.

Zur Hemisphärenspezialisation: Erkenntnisse über die Aufteilung der verschiedenen Funktionen in den beiden Gehirnhälften:
 

 
linke Gehirnhälfte rechte Gehirnhälfte  
(kontrolliert die rechte Körperseite) (kontrolliert die linke Körperseite)  
     

analytisches, logisch-sprachliches Denken, linear d.h. aufeinanderfolgend

synthetisches, ganzheitliches Denken, beziehungsreich und gleichzeitig  
Zeit Raum & Perspektive  
Sprachzentrum körperliche Vorstellung im Raum, Raumorientierung  
grammatikalisches Verständnis bildhafte Vorstellung  
sprachliche Sinnerfassung der Worte Melodiegedächtnis  
Wortschatz, abstrakte Begriffe Gefühlsverständnis, Ausdruck  
Intellekt Intuition  
     

Zur Persönlichkeitsstruktur/ Verhaltensweisen bei der jeweiligen motorischen Dominanz (Auszug):

 

 
taktisches Denken strategisches Denken  
Neigung Gruppen zu bilden Neigung zum Einzelgängertum  
Geselligkeit Bedürfnis mit sich alleine zu sein  
Bevorzugung der verdeckten Führung Bevorzugung des offenen Führungsstils  
Organisationstalent & Vorbildhaftigkeit  
verbale Überzeugungskraft    
Neigung zu Risikobereitschaft erhöhtes Sicherheitsbedürfnis  
Flexibilität Neigung zu Sturheit und Haften  
Ideenumsetzung, -sprunghaftigkeit Ideenreichtum, Assoziationsfähigkeit  
Begeisterungsfähigkeit Kritizismus  
Neigung zum unbegründeten Zögern & unerwartete, plötzliche Aufbruch-  
Entscheidungsaufschub bereitschaft  
     
Händigkeit ist vor allem Ausdruck der motorischen Dominanz, diese betrifft sowohl die Bevorzugung der einen Hand, als auch die stärkere Betonung der hemisphärischen Verarbeitungsart in der entsprechenden gegenüberliegenden Gehirnhälfte.  

Literaturquelle:

Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn, Johanna Barbara Sattler

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© Margit Rieger BSc